Die neue Unglückszahl

Bevor ich meine Arbeit fertig schreibe halte ich erstmal das vergangene Wochenende fest.

 

Freitag, 8.10., geplant war es mit unseren Tutoren nach der Uni nach 歌舞伎町 Kabuki-cho zu fahren. Allerdings kam im Laufe des Tages die Nachricht, dass sie nicht kommen und es gern verschieben würden. Für mich ein Fall von „okay, ich trau mich doch nicht“, aber wer weiß…

Gut, ich frag also die anderen beiden, ob wir trotzdem gehen wollen, was wir dann letzten Endes auch getan haben. Im Übrigen hab ich an diesem Tag von meinem Seminarlehrer mit dem Kommentar „Ich hab zwei davon, du kannst eins haben“ ein Buch von einem Host bekommen, das den klangvollen Namen ホスト裏物語 (in etwa: Geschichten der Kehrseite von Hosts) hat. Ist auch sehr unterhaltsam bis jetzt. Mit diesem Buch hab ich mit die Zeit vertrieben, die wir auf Clara gewartet haben, weil sie noch ein Paket heim schaffen musste.

Bis nach Shinagawa war die Fahrt recht angenehm, doch die Yamanote-Linie war (mal wieder) hoffnungslos überfüllt und Kuschelkurs getreu dem Motto „free hugs“ angesagt. Diese Situation hat auch für einige Lacher auf unserer, beziehungsweise meiner Seite gesorgt, da Ali (gezwungenermaßen) so aussah, als würde sie den Typen vor ihr belästigen.

Nach der Ankunft ins Shinjuku haben wir uns erstmal mit Essen versorgt (meine Mister Donuts Karte wurde reaktiviert und hat 33 Punkte!) und draußen auf der Straße gegessen.

Schon da hatte Ali Spaß mit „Stachelschweinen“, „Palmen“ und „Puschel dem Eichhörnchen“ – alles Bezeichnungen für Menschen mit seltsamen Frisuren.

Gut, wir machen uns also auf die Suche nach dem ersten Club, finden das richtige Gebäude und steigen in den Fahrstuhl, mit ein paar Hosts die uns schon für ein andres Stockwerk überreden wollten, aber nein, es musste das siebte für uns sein (man merke sich diese verfluchte Zahl). Wir steigen aus, stehen vor einer Tür, aber das Schild ist nicht das richtige. Am Gebäude selber und im Fahrstuhl war es zwar zu sehn, aber nicht an der Tür. Kurz entschlossen laufen wir über die Stufen außerhalb des Gebäudes die Stockwerke ab …

..super Aussicht…

…aber aufgegeben haben wir doch.

Kein Problem! Was wären wir ohne eine Alternative, also auf zum nächsten Club … den wir nicht gefunden haben, der liegt übrigens so rein theoretisch auch im siebten Stock. Was solls, zum Glück hab ich noch ein paar Adressen abfotografiert, weiter gehts also. Wieder einmal im siebten Stock (fällt wem was auf?) gehen wir in den ausgewählten Club wo uns ein freundlicher Herr indirekt darauf hinweiste, dass wir doch bitte wieder gehen sollen. Inzwischen sind wir schon 3/4 von Kabuki-cho abgelaufen und ich war in Straßen, die ich vorher noch nie gesehn habe, mal davon abgesehen das es mich sehr irritiert hat, dass das an dem Tag so schwer war einen Club zu finden. Okay, aufgeben war noch nicht drin, besonders für Clara, und wir haben den nächsten – es darf geraten werden in welchem Stock- gesucht, wo wir allerdings auch nicht das Gebäude finden konnten (im Nachhinein glaube ich, dass wir einfach noch ein bisschen geradeaus hätten gehen müssen).

Fünfter Versuch, Stockwerk Nummer …. 4!! Und was passiert? Wir kommen rein! Verfluchte 7!  Nach 1 1/2 – 2 Stunden Suche endlich was gefunden, Odyssee fürs erste vorbei.

Wir haben gelernt, dass wir in der Reihenfolge in der wir gesessen sind mit unseren Namen Shiratori spielen können (Clara – a-> Ali – li -> Linda). Eine Zote will ich hier festhalten, weil sie einfach zu lustig war. Als wir mit Mister Evangelion (von allen anderen so genannt), dem Prinzen (selbsternannt) und dem Hamster (von mir zu einem erklärt) zusammensaßen kamen wir irgendwie auf das Thema „Kochen“, woraus dann Rückschlüsse auf unseren Charakter gezogen wurden:

„Ali sieht so aus, als ob sie immer kochen würde. Linda sieht so aus wie die, die daneben steht und kommandiert ‚Koch endlich was‘. Und Clara macht den Eindruck, als würde sie nachher alles putzen.“

Herrlich! Wir haben wirklich Unterhaltungskünstler bei uns gehabt, war sehr lustig, besonders als ich die Herren davon abhalten wollte den anderen beiden zu erklären was es mit 枕 (makura – Kopfkissen) auf sich hat…

Wie sich herausgestellt hat waren wir gerade an einem Event-tag da (theoretisch sogar ein Doppelevent): zum einen noch 90 Minuten extra für welche, die zum ersten Mal da waren und zum anderen konnten die Hosts in selbstgewählter Kleidung erscheinen (hatte mich schon gewundert).

Jedenfalls haben die 90 Minuten extra dazu geführt, dass wir unsere letzten Bahn relativ knapp verpasst haben – und das wir (besonders ich) sehr heiter waren, was mal wieder zu dem Ich-sprech-nur-noch-auf-Japanisch-wenn-ich betrunken-bin-Syndrom geführt hat, aber Ali gings auch recht gut, trotz Erkältung. Auf dem Weg zu eben jener Bahn sind wir noch von wem angehalten wurden der uns in seinen Laden holen wollte woraufhin ich meinte (mit dem Gedanken das wir es schaffen) wenn wir die Bahn nicht erreichen kommen wir vorbei. Bahn nicht erreicht, Laden nicht gefunden, aber der Typ hat angerufen und ist uns hinterher gerannt, gut das wir so unauffällig sind.

Der Laden war nicht so gut, aber zumindest ne Stunde nicht draußen rumlaufen, was wir im Anschluss noch zur Genüge gemacht haben. Zwischen 2(3) und 4(5) ist es schwer was zu finden, was man machen kann. Irgendwann haben wir uns dekorativ in die Gegend gestellt, nach einer kleinen Pause beim McDonalds, wo wir den wohl seltsamsten Typen des Tages getroffen haben. Der hat einen Affen auf dem Arm gehabt! Mit der Begründung, dass er damit die Leute dazu bringt stehen zu bleiben und ihm zuzuhören woraufhin ich nur entgegnet habe, dass ich Affen nicht gerade sympathisch finde. Nachdem ich dem Guten noch an den Kopf geworfen hab der er verdächtig aussieht (schon alleine wegen dem Affen) ist er dann endlich abgezogen und wir sind rauf zum Bahnhof, wo dann auch bald die erste Bahn gefahren ist.

Um 7 Uhr in der Früh waren wir dann endlich daheim und dachten uns, wir könnten gemütlich bis 3 am Nachmittag schlafen, weil da der Typ für das Internet kommen wollte. Allerdings hat es schon um 11, nachdem ich noch nicht geschlafen hatte, an der Tür geläutet, weil der Typ Ali angerufen hat, dass er in 5 Minuten vorbei kommt. Okay, auch gut. Sehr gesprächig war der Gute nicht und ich hatte das Gefühl, dass er die meiste Zeit nur rumgesessen ist, aber am Ende hat es doch funktioniert und wir waren zufrieden mit uns und der Welt.

Am gleichen Abend hatte ich eigentlich geplant mich mit jemanden zu Treffen und in ein 居酒屋 Izakaya zu gehn, was sich allerdings erübrigt hat, als ich erfolglos versucht habe Geld abzuheben!

Am Ende hat sich dann herausgestellt, dass zu der Zeit, wie ich weggefahren bin, also Mitte September, das System für Auslandslimits geändert wurde (man muss die jetzt für einen gewissen Zeitraum und für einen gewissen Teil der Erde beantragen – was zu Hölle?) und ich egal was ich gemacht hätte, nichts hätte abheben können, weil das Limit auf 0 war! Dank meiner Eltern, die extra zur Bank gegangen sind gehts jetzt wieder und ich habe den 10000 Yen Schein, den ich gestern abgehoben hab angeglitzert mit meinen Augen.

So viel zum Wochenende, dass mich gelehrt hat die Zahl 7 zu fürchten.

 

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4 Antworten

  1. …da hste bzw ihr ein erlebnisreiches ,abenteuerliches wochenende hinter dir und eine sehr lange nacht *g*
    ..vielelicht wird die 7 auch macl deine glückszahl *g*
    und hat der typ recht mit der einschätzung von euch ?
    danke für den erlebnisbericht :-) ist immerwieder interessant zu lesen wie es sich in anderen länder lebt
    leg,mama

    • ja *gg* war sehr interessant

      mmh.. gut Frage lol ein wenig schon – behaupte ich jetzt mal ganz tollkühn

  2. Hei ich bin ganz lieb zu den Japanern und belästige niemanden XD

    • zumindest nicht mit Absicht xD

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